Behinderung, Familie, Gedanken

Papa ohne Plan

Hey Papas

heute wende ich mich mal an Euch!
Seit über 6 Jahren bin ich nun Alleinerziehend mit meiner Tochter.
Ich hatte viel Zeit Dinge zu beobachten, zu reflektieren und zu Hinterfragen.

Ihr seid ziemlich selten anzutreffen, was nicht heißen soll dass Ihr euch weniger um Eure Kinder bemüht oder sie Euch weniger Wert sind aber immer wenn ich einen Termin beim Kinderarzt habe sehe ich mich im Wartezimmer häufig nur Müttern gegenüber sitzen.
Nachts, wenn ich durch die Gänge Kinderstation der laufe – weil ich wieder mal nicht auf der „Mutterliege“ schlafen kann – sehe ich die Silhouetten der Mütter die sich in abgedunkelten Zimmern über die Betten Ihrer Kinder beugen um über sie zu wachen.
Sie behalten das zucken der Monitore im Auge, schauen mit besorgten Blicken auf ihr Kind.
Morgens laufen sie mir mit Augenringen, gebeugt und gezeichnet durch die Schlaflosigkeit und der Sorgen entgegen.

Als meine Tochter das Licht der Welt erblickte traf ich viele von Euch im Kreissaal um eure Kinder auf dieser Welt zu begrüßen und mit Ihnen die Reise in ein neues Leben zu beginnen.

Nach dem Schock der ersten Untersuchungsergebnisse seid ihr bald wieder zurück in der Realtität.
Das Leben geht weiter, unnachgiebig und in voller Härte! Daran ändert auch die Tatsache nichts dass Ihr nun Väter eines behinderten Kindes seid.
Eure Partnerin bemüht sich um Termine, Beratungen, Untersuchungen Therapien.
Sie setzt sich mit Behörden, Krankenkassen und dem MdK auseinander während Ihr wieder eurer Arbeit nachgeht.

Glaubt mir, ich kenne das!

Rückblick
Krankenhausbesuch. Ich sage meinem Sohn er soll sich anziehen, wir gehen Mama und seine Schwester besuchen.
Stolz erzählen wir wie Selbständig er doch ist, er hat sich seine Klamotten selbst herausgesucht und sich selbst angezogen.
Der Style ist ein wenig Gewöhnungsbedürftig aber ich habe Selbständigkeit von ihm abverlangt.
Meine Erziehung ist Klasse! (Achtung Ironie)

Heute, wenn ich die Mamas Tag und Nacht im Krankenhaus, neben den Betten Ihrer Kinder sehe dann weiß ich dass es nicht an Dir alleine liegt.
Du wünscht Dir mehr Zeit, ich weiß dass Deine Gedanken bei Ihnen sind und dass Du darüber nachdenkst wie Du das Ein- oder Andere besser machen könntest.
Manchmal hast Du ein schlechtes Gewissen und übst Dich in Selbstzweifeln.

Manchmal ist aber das Beste was Du tun kannst, einfach weiter zu machen.
Mit dem Leben, mit dem Alltag.
Kümmere Dich um die Geschwister und schenke ihnen ihre Aufmerksamkeit und Liebe.
Du gehst zur Arbeit und tust so als wäre alles Normal – das Einkommen darf auch nicht fehlen.
Und das ist manchmal auch ganz Okay so.

Hey Papa eines behinderten Kindes
Manchmal bist Du der einzige der versteht was Deine (Ex-)Frau Dir zu erzählen hat.
Oft wartet Sie sogar nur auf Dich um Dir dann einen Redeschwall entgegen zu bringen denn nur Du alleine weißt was es bedeutet, nur Du hast dies alles mitgemacht und nur Du weißt die Freude zu teilen wenn Dein Kind wieder eine Entwicklung bzw. einen Fortschritt gemacht hat.
Kein Aussenstehender vermag das jemals so einzuschätzen wie Du und niemand anderes kann die Freude daran so teilen.
Du kennst die Bedeutung!

Du bist Dir deiner Bedeutung oftmals gar nicht bewußt.

  • Du bist der Geschichtenerzähler
  • Du bist der der die Medizin aus dem Schrank holt
  • Du bist der Hausaufgabenhelfer
  • Du bist derjenige der aus Hilfsmitteln wie z.B. einen Rollstuhl ein rasendes Gefährt macht
  • Du bist der schlechteste Furz-Witze-Erzähler
  • Du kannst Wörter rülpsen
  • Du handelst nicht immer nach Vernunft
  • Du schnarchst
  • Bist Rechtsbrecher
  • Bist Kinderträger
  • Bist Action-Hero
  • Bist Staudammbauer
  • oft bist Du auch Blitzableiter

Du bist ein unheimlich kostbarer Teil Deines Kindes und Deiner Familie!

Also Papa, egal in welcher Form Du Dein Kind betreust, ob Du geschieden bist, ob Du die Pflege mit Deiner Frau teilst, ob Du 60 Stunden arbeitest oder wie auch immer Du lebst – Du bist nicht minder wichtig für Dein Kind und Deine Familie!

Nimm einfach mal Deine Frau in den Arm und sag „Danke!“ – Sie wird es verstehen
Kümmere Dich und bemühe Dich um Dein Kind.
Sei ein Fels und sei ein Papa für Dein Kind!
Du bist und kannst so vieles für Dein Kind sein!
Wenn Du dich Deinem Kind aber verweigerst bist Du ein Nichts!
Ein belangloser und unbedeutender Mensch!
Egal ob und in welcher Form Ihr euren Kampf in eurer Erwachsenenwelt austragt!

Wir haben es selbst in der Hand aus besonderen Umständen eine besondere Familie zu machen.
Wir alle wissen doch wie es ist Unterschiedlich zu sein – vor allem wir Eltern behinderter Kinder!

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